Gunzenhäuser Erzählfest 2026 startet mit einer Kriminalgeschichte von Jakob Wassermann

Veranstaltungsplakat "Adam Urbas", zu sehen sind die Veranstaltungsdetails wie Uhrzeit und Ort

Heute fast vergessen, war Jakob Wassermann in der Weimarer Republik ein gefeierter Bestseller-Autor von Weltformat. Insbesondere die beiden Romane „Fall Maurizius“ und „Etzel Andergast“ hatten was von den großen russischen Literaten Tolstoi und Dostojewski, außerdem waren seine Werke voll von nietzscheanischem Denken und Freud’scher Psychoanalytik. Was die wenigsten wissen: Der 1934 verstorbene Autor war regelmäßig in Gunzenhausen zu Gast und besuchte seinen Freund Karl Blumenstein. Und die Altmühlstadt ließ ihn nicht los, so finden sich in mehreren seiner Texte lokale Bezüge. Auch in der 1920 erschienenen Novelle „Adam Urbas“, in der es um einen mysteriösen Mordfall in Aha geht. Zum Start des diesjährigen Erzählfestes der Kulturmacherei wollen wir uns diese Erzählung näher anschauen und laden dazu am 1. Oktober 2026 um 19 Uhr ins Rathausfoyer der Stadt Gunzenhausen ein. Dort wird gelesen, der historische Hintergrund betrachtet, analysiert und gefälliger Livemusik gelauscht. Und das Beste: Der Eintritt ist frei.

Das Erzählfest richtet sich nicht nur an eingeschworene Literaturfreunde, sondern bietet Jung und Alt ein abwechslungsreiches Potpourri aus guten Geschichten und noch besserer Musik. In diesem Jahr wurden wieder mehrere Events auf die Beine gestellt, darunter eine Lesung mit einem Bestseller-Autor, eine Bruce Springsteen-Verneigung und eine große Halloweenparty mit Jugendbuchvorstellung. Zum Start des Erzählfestes bleiben wir 2026 jedoch thematisch in Gunzenhausen und blicken in den Ortsteil Aha. Von dort kommt Bauer Adam Urbas, der im Gefängnis sitzt, weil er den Mord an seinem Sohn gestanden hat. Aber war er es überhaupt? Jurist Diesterweg hat da seine Zweifel und fühlt dem Patriarchen auf den Zahn.

Jakob Wassermann beschreibt Urbas verzweifelte Suche nach moralischer Orientierung und persönlicher Verantwortung sehr eindrücklich. Herausgekommen ist ein früher Justizthriller, der als spannende psychoanalytische Fallstudie in die Literaturgeschichte einging. Erzählfest-Organisator Peter Schnell wird Passagen aus dem Werk vorlesen und Literaturwissenschaftler Manuel Grosser auf die Darstellung der inneren Konflikte eingehen. Schuld und Schicksal sind in Adam Urbas eng miteinander verknüpft, es ist aber möglicherweise die gesellschaftliche Verantwortung, an der der Bauer verzweifelt. Stadtarchivarin Maria Dechant wird diesen interessanten Gedanken zum Anlass nehmen und mit Blick auf die Entstehungszeit insbesondere auf das Wechselverhältnis von individueller Freiheit und gesamtgesellschaftlicher Kontrolle eingehen. Unterstützt wird die Historikerin vom früheren Stadtarchivar Werner Mühlhäußer, der einen Blick auf Jakob Wassermanns Verbindung zur Stadt Gunzenhausen wirft. Musikalisch begleitet wird der abwechslungsreiche Abend von Ruth Tuffentsamer an der Querflöte und von Almut Pfahler an der Violine.    

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Stadt Gunzenhausen statt. Das vollständige Programm des Erzählfests der Kulturmacherei Gunzenhausen ist unter www.diekulturmacherei.de zu finden. Schirmherr der Veranstaltungsreihe ist Erster Bürgermeister Matthias Hörr.

Zurück