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Das Toraschild der Familie Dottenheimer

Beim Tora-Schild (Tass) der Familie Dottenheimer aus Gunzenhausen handelt es sich um die außergewöhnliche Arbeit eines Nürnberger Goldschmiedes des frühen 18. Jahrhunderts mit aus Silber gedrückten Löwen, Einhörnern, einem Adler und Glasflussbesatz.

Durch die Heirat der aus Gerolzhofen stammenden Frieda Reinhardt mit Sigmund Dottenheimer kam es 1913 nach Gunzenhausen. Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten hatte die Familie keine Möglichkeit, ihr Eigentum mitzunehmen.

Über Umwege gelang das Tora-Schild nach Fürth, wo es bis zur Kontaktaufnahme mit den in Amerika lebenden rechtmäßigen Besitzern Steven Dottheim und Faye Dottheim-Brooks im Jüdischen Museum Franken ausgestellt wurde. => mehr

Die Familie Dottenheimer aus Gunzenhausen -
ein Beispiel für Integration, Verfolgung und Versöhnung

1883 ließ sich der aus Markt Berolzheim gebürtige Heinrich Dottenheimer mit seiner aus Cronheim stammenden Ehefrau Ida in Gunzenhausen nieder.

Er gründete eine Weingroßhandlung, zunächst an der Nürnberger Straße, später im Anwesen Burgstallstr.1, wo die Familie auch wohnte.

1912 ging das Geschäft in die Hände von Sohn Sigmund Dottenheimer über, dessen Frau Frieda Reinhardt aus Gerolzhofen u.a.das Tora-Schild mit in die Ehe brachte.

Unter den Nationalsozialisten musste Sigmund Dottenheimer die gut gehende Weinhandlung aufgeben. Der Versuch, sich und seine Familie mit einer Handelsvertretung bzw.dem Ausschank von Kaffee oder Wein finanziell über Wasser zu halten, scheiterte an den politischen Verhältnissen mit ihren antisemitischen Aktionen und damit verbundener sozialer Ausgrenzung.

Nach dem Pogrom vom 9. November 1938 (‚Reichskristallnacht‘) wurde Sigmund Dottenheimer ins KZ Dachau verschleppt. Nach seiner Entlassung zog das Ehepaar mit den drei jüngeren Kindern Kurt, Irene und Werner nach Frankfurt am Main, während dem ältesten Sohn Fredi als einzigem Familienmitglied gelang, 1937 in die USA zu emigrieren.

Eltern, Geschwister und der 88jährige Großvater Heinrich Dottenheimer wurden in den Konzentrationslagern von Auschwitz, Majdanek und Theresienstadt ermordet.

In Amerika gelang es Fredi Dottenheimer sich als Kaufmann in St.Louis, Mississippi, eine neue Existenz aufzubauen. Nach Gunzenhausen kehrte er nie wieder zurück.

Erst dessen Kinder Steven Dottheim und vor allem Faye Dottheim-Brooks und ihre Familie knüpften, auch durch persönliche Besuche, wieder ein Band zur ehemaligen Heimat ihrer Vorfahren.

Projekt: Jüdisches Leben in Gunzenhausen

Die Geschichte jüdischer Familien und ehemals jüdischer Wohnhäuser im Gunzenhausen des 20. Jahrhunderts.

=> zum Projekt

Ein Projekt der Stephani-Volksschule Gunzenhausen

Das Toraschild der Familie Dottenheimer
Die amerikanische Familie Dottheim-Brooks anlässlich der Präsentation ihres Toraschildes im Stadtmuseum Gunzenhausem am Sonntag, 14.03.2004
Die amerikanische Familie Dottheim-Brooks anlässlich der Präsentation ihres Toraschildes im Stadtmuseum Gunzenhausem am Sonntag, 14.03.2004
hierzu Berichterstattung des
Altmühl-Boten vom 16.03.2004

Die amerikanische Familie Dottheim-Brooks anlässlich der Präsentation ihres Toraschildes im Stadtmuseum Gunzenhausem am Sonntag, 14.03.2004 in Anwesenheit von Ersten Bürgermeister Gerhard Trautner und Stadtarchivar Werner Mühlhäußer