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Vom Adelspalais zum Zentrum städtischer Geschichte:
Die Bauhistorie des Museumsgebäudes
Eine gewisse zentrale Position ist dem Museum nicht abzusprechen, führen doch streng genommen sechs Straßen oder Gassen direkt zu diesem geschichtsträchtigen Haus.

Auf seinem Rundgang sollte der Besucher Gunzenhausens den historischen Stadtkern durch den alt-ehrwürdigen Blasturm betreten.

Von dort wendet sich sein Blick automatisch auf einen Platz - von Häusern umgeben, die so manches Jahrhundert ‘auf dem Buckel haben’- , wo ein Neptunbrunnen (errichtet 1876) und die 1993 aufgestellte Bronzeplastik ‘Große Stehende’ des Spielberger Bildhauers Ernst Steinacker sich in friedlicher Symbiose von Alt und Neu begegnen.

Dieser Straßenzug innerhalb der Stadtmauer zählte bereits im Mittelalter zum bevorzugten Ansiedlungspunkt der gesellschaftlichen Oberschicht Gunzenhausenes. Ein unmittelbarer Vorgängerbau des Museums wurde schon im 16. Jahrhundert erwähnt und gehörte als sogenanntes Freihaus, also ein von Steuern und Abgaben befreiter Besitz, der adeligen Familie Leonrod.

Der "Wilde Markgraf" Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach
1607 kam es an Jobst von Buttlar, seines Zeichens Oberamtmann und somit hochrangiger Repräsentant des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Um 2.000 Reichstaler erwarb sein Amtsnachfolger Ludwig von Zocha das Anwesen im Jahr 1622. Dessen Enkel Wilhelm, am ansbachischen Hofe Obristbaumeister, entschloß sich zum Abbruch und ließ 1706 einen dreigeschossigen Walmdachbau mit risalitartigem Mittelteil errichten, das heutige Museum. Ab 1711 waren die Freiherren Eichler von Auritz Eigentümer. Von ihnen erwarb 1746 der als ‘Wilde Markgraf’ bekannte Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach das Anwesen für 12.000 Gulden.

Dieser absolutistische Fürst hegte eine innige Zuneigung zu Gunzenhausen, konnte er doch hier ausgezeichnet seiner kostspieligen Leidenschaft, der Falkenjagd, nachgehen. Außerdem logierte in den nahe gelegenen Schlössern von Georgenthal und Wald seine Herzensdame Elisabeth Wünsch samt gemeinsamer Kinder. Durch häufige Anwesenheit seiner fürstlichen Hoheit konnte sich das kleine Altmühl-Städtchen geraume Zeit im Glanze einer Nebenresidenz sonnen.

Das Eichler’sche Palais, nun Gesandtenhaus, diente durchreisenden Diplomaten und Fürstlichkeiten als standesgemäßes Quartier bis zum plötzlichen Ableben des Markgrafen im August 1757.

Sein Nachfolger bevorzugte Triesdorf, und so fanden die hiesigen herrschaftlichen Gebäude keine Verwendung mehr. Kurzerhand veräußerte man 1762 das Haus wieder an die Vorbesitzer. Nach längerem Zeitraum privater Nutzung kam es für die Summe von 4.050 Gulden an die Stadt Gunzenhausen, welche es dringend als Rathaus benötigte, da schon seit knapp 70 Jahren kein eigenes Amtsgebäude mehr zur Verfügung stand. Bis 1974 befanden sich hier die städtische Verwaltung sowie anschließend weitere öffentliche Dienststellen.

Am 22. März 1979 beschloß der Stadtrat, das bisherige Rathaus als Museum zu nutzen. Unter fachlicher Beratung der Abteilung Nichtstaatlicher Museen des Bayerischen Nationalmuseums wurde das Haus gemäß seiner künftigen Bestimmung ausgebaut und renoviert. Insgesamt wurden dafür 1,3 Millionen DM von der Kommune, mit finanzieller Unterstützung durch den Freistaat Bayern, den Bezirk Mittelfranken und den Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen aufgewandt.

Am 2.Juni 1984 war es schließlich soweit. Im Beisein des bayerischen Landtagsvizepräsidenten Ernst Lechner und zahlreicher Ehrengäste konnte Erster Bürgermeister Willi Hilpert das Städtische Museum Gunzenhausen mit seinen umfangreichen kulturhistorischen Sammlungen der Öffentlichkeit übergeben.

Vom Gebäudeinneren

Hat er das doppeltürige Museumsportal durchschritten, befindet sich der Besucher sogleich im großzügig konzipierten Eingangsbereich, wo sich ohne große Mühe barocke Atmosphäre erahnen läßt. Ritterliche Kavaliere und gezierte Damen in prachtvollen Gewändern bevölkern vor unserem geistigen Auge den Raum und lassen längst vergangene Zeiten lebendig erscheinen.

Zum großen Teil stammt die Eichentreppe mit Balustergeländer noch aus der Erbauungsphase des Adelspalais. Im ersten Stockwerk, Raum 5 (Barockes aus Gunzenhausen), sind glücklicherweise weitere Relikte aus dieser Epoche erhalten geblieben. Neben einem Kamin sind Teile der historischen Wandverkleidung mit mythologischen Darstellungen zu sehen.

Auf dem Weg zur nächsten Etage geht es vorbei am sogenannten ‘Jubiläumsfenster’, ein 1924 vom Nürnberger Glasmaler Heinrich v.d.Spek geschaffenes Kunstwerk - anläßlich der 1100jährigen Wiederkehr von Gunzenhausens erster urkundlicher Erwähnung. Hat man das zweite Geschoß erreicht, fällt zunächst ein markanter, reich geschnitzter Sakristeischrank aus Eiche auf (18.Jh.). Eher unauffällig hängt darüber der Abguß eines markgräflichen Wappenschildes. Das Original befand sich im 1544 erbauten und auf Befehl Carl Wilhelm Friedrichs von Brandenburg-Ansbach abgerissenen, mitten auf dem Marktplatz gelegenen Rathauses und ist das letzte Zeugnis dieses Renaissance-Gebäudes.

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